Geschichte

Der Einsturz einer Landungsbrücke in Binz auf Rügen im Juli 1912, bei dem 17 Menschen ertranken, war der Anstoß für die Gründung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft am 19. Oktober 1913. Bereits einige Jahre zuvor hatten sich einige Aktive des Deutschen Schwimm-Verbandes mit der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung befaßt, da die Zahl von Ertrunkenen (jährlich ca. 6000-8000 Menschen) dramatisch hoch war. Jedoch trat dieser Tätigkeitsbereich angesichts des immer stärker werdenen Strebens nach sportlicher Leistung in den Hintergrund. Das oben genannte Massenunglück bewirkte dann jedoch die Gründung einer eigenständigen Organisation, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Schon bald wurde das auf der Brust getragene Abzeichen mit dem wachsam am Wasser spähenden Adler das äußere Zeichen dafür, selbst im Rettungsschwimmen ausgebildet und befähigt zu sein, die Kenntnisse weiterzugeben.

Der 1. Weltkrieg lähmte die Arbeit der DLRG und führte schließlich dazu, daß der Gedanke des Rettungsschwimmens kaum noch aufgegriffen wurde. Doch ab etwa 1925 ging es wieder aufwärts. Man schuf neue Untergliederungen, so noch im gleichen Jahr den Landesverband Hannover der DLRG. Im Mai 1927 schließlich erfolgte wenige Tage nach der Bezirksgründung auch die Gründung der Lüneburger DLRG.

Beschränkte man sich anfangs noch darauf, vorwiegend aufklärerisch zu wirken, d.h. durch Vorträge und praktische Rettungsvorführungen auf die Gefahren am und im Wasser und die Rettung hieraus aufmerksam zu machen, begannen die Lüneburger Rettungsschwimmer ab 1929 mit der Ausbildung von Nichtschwimmern zu Schwimmern und Schwimmern zu Rettungsschwimmern. In den nächsten Jahren wuchsen die Aktivitäten und 1930 wurde die Koopsche Badeanstalt übernommen.

Schon bald ging die Zahl der Badeunfälle im Lüneburger Stadtgebiet spürbar zurück, die regelmäßige Abhaltung von Kursen in Lüneburger Badeanstalten trug erste Früchte. Stadtverwaltung, Schulen und Vereine zogen mit und warben für die Teilnahme an den DLRG-Lehrgängen.

Schon 10 Jahre nach der Gründung der Untergliederung der DLRG sprach man davon, daß die Zahl der Ertrinkungsfälle durch die Arbeit der DLRG um fast die Hälfte abgenommen habe, ein stolzer Erfolg für die ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter der DLRG.

Der 2. Weltkrieg lichtete die Zahl der Mitarbeiter, eine sinnvolle DLRG-Arbeit wurde immer schwieriger und schließlich ganz unmöglich. Bis dahin hatte die Ortsgruppe Lüneburg jedoch bereits 2200 Rettungsschwimmer ausgebildet und so dauerte es nicht lange, bis der Gedanke des Rettungsschwimmens nach dem Krieg wieder aufgegriffen und in die Tat umgesetzt wurde.

Zum 25 jährigen Bestehen der Ortsgruppe Lüneburg im Jahre 1952 konnte man bereits mit guten Ausbildungserfolgen aufwarten.

Die Zeltlager in Pelzerhaken, aber auch die auf dem Priwall haben das Bild der 50er Jahre geprägt. Hinzu trat das Bemühen um die Schaffung eines Hallenbades, das zusammen mit den Schwimm- und Turnvereinen sowie dem Verein Volksbadeanstalt propagiert wurde.

Mit der Eröffnung des Hallenbades (1961) ergaben sich wesentlich bessere Möglichkeiten der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung. Die schon zu Beginn der 50er Jahre praktizierte Jugendarbeit wurde durch den Aufbau eines Rettungswachdienstes im Landkreis Lüneburg ergänzt. Nach ersten Anfängen am Reihersee (1961/1962) wurde schon 1963 die erste feste Station, der hölzerne Wachturm, errichtet.

Die Aktivitäten wurden immer umfangreicher, so daß man sich bald nach eigenen Räumlichkeiten umsehen mußte. Zuerst fand man in der Schutzhütte am Bockelsberg Quartier, doch mit der Aufnahme des Rettungswachdienstes auch am Barumer See (1963) und an der Elbe (1964) wurden größere Räume benötigt. Boote und Geräte waren zu pflegen und zu lagern, man brauchte eine Ausbildungsstätte für den theoretischen Unterricht und ein Heim für die DLRG-Jugendgruppe. Die DLRG war froh, als man 1964 einige Räume in der alten Baracke auf dem Gelände der MTV-Turnhalle an der Lindenstraße beziehen konnte. Doch konnte dies aufgrund der Baufälligkeit dieses Gebäudes auch nur eine Übergangslösung sein.

Im Jahre 1967 stellte die Stadt Lüneburg dann der DLRG den Abtswasserturm für 25 Jahre zur Verfügung. Ein erhebliches Maß an Zeit und Eigenleistung in Form von Barmitteln und Arbeit waren nötig, bis 1970 der Abtswasserturm als Heim der DLRG Lüneburg eingeweiht werden konnte. Der Abtswasserturm diente als Jugendheim, Ausbildungszentrum sowie Einsatzleitstelle für den Katastrophenschutz und sonstige Hilfsdienste. Einerseits nutzten wir den Abtswasserturm, andererseits sorgten wir für den Erhalt dieses historischen Gebäudes (von 1530).

1977 kam ein Werkstatt- und Garagentrakt neben dem Turm hinzu. Im gleichen Jahr weihte die Ortsgruppe auf eigenem Grund und Boden die gemauerte Wachstation am Reihersee ein, die 1982/83 ihr heutiges Gesicht erhielt.

Die Zeit der 60er bis Mitte der 90er Jahre waren durch wachsende Aktivitäten bei hohen personellen Kontinuität und gleichzeitiger Integration befähigter Nachwuchskräfte gekennzeichnet.

In den achtziger Jahren zeichnete sich ab, daß der Abtswasserturm langfristig nicht ausreichen würde. Darüber hinaus fehlten Parkmöglichkeiten, die Ausfahrt für Rettungsfahrzeuge wurde oft durch Fremdfahrzeuge blockiert, die Veränderungen in der Umgebung stellten den Standort in Frage. Schon 1982 begann der 1. Vorsitzende mit der Stadt Lüneburg Alternativen zu erörtern, die 1989 dringlich wurden, da der Abtswasserturm durch die Stadt verkauft werden sollte. Nach langwierigen Verhandlungen konnte von der Stadt das Gelände an der Ilmenau (Friedrich-Ebert-Brücke 1) auf 30 Jahre gepachtet und die Finanzierung des neuen Zentrums durch viele Eigenleistungen, Spenden, Zuschüsse und ein ergänzendes ABM-Projekt sichergestellt werden.

Dieses neue Zentrum ist insbesondere für unsere jungen Mitglieder als Begegnungs-, Aus- und Fortbildungsstätte konzipiert. Jugendarbeit in vielfältiger Form kann praktiziert werden. Da die jungen Mitglieder auch mehrheitlich unsere Einsatzkräfte repräsentieren, war es wichtig, die Voraussetzungen für die rein ehrenamtliche Tätigkeit im Wasserrettungsdienst zu verbessern. Werkstatt, Tauchgeräteraum und die Garage für die Kraftfahrzeuge und Rettungsboote sind sachgerecht konzipiert und realisiert.

Mitte der neunziger Jahre wurde die Vorstandsarbeit neu organisiert und auf noch mehr Schultern verteilt, wobei gleichzeitig verstärkt der Nachwuchs berücksichtigt wurde.

Anfang des neuen Jahrtausends wurden die Aktivitäten der Ortsgruppe im Bereich des Rettungssports intensiviert. Neben Poolwettkämpfen sollten sich die Athleten des Rettungssportteams Lüneburg ab Mitte der 2000er auch in Freigewässerwettkämpfen messen.

Aufgrund des rettungssportlichen Engagements ist die Ortsgruppe seit 2009 Kaderstützpunkt des DLRG Landesverbandes Niedersachsen. Die hierfür notwendige Umstrukturierung umfasste unter anderem den Kauf der Schulungsstätte im Freibad Hagen.

Jetzt und in der Zukunft ist von entscheidender Bedeutung über Kinder- und Jugendarbeit die Fundamente für die Ausbildungs- und Einsatztätigkeit zu legen, denn die Tatkraft und das ehrenamtliche Engagement der DLRG-Mitglieder sind die wichtigsten Potentiale.

Das DLRG-Zentrum an der Friedrich-Ebert-Brücke schafft hierfür geeignete Rahmenbedingungen und Voraussetzungen. Möge die Arbeit im Zentrum, in den Bädern und Rettungsstationen weiterhin Freude bereiten und durch Erfolge gekennzeichnet sein.